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Uhr geerbt: Was tun, wenn sie nicht mehr läuft?

 

Michael Manßhardt, Uhrmachermeister, mit einer Taschenuhr

Von
Uhrmachermeister und Restaurator

Lesezeit ca. 3 Minuten

Sie haben eine Uhr geerbt, doch sie läuft nicht mehr. Vielleicht kennen Sie noch ihren Platz im Wohnzimmer oder ihren vertrauten Schlag – über das Uhrwerk wissen Sie wenig. Für den ersten Schritt brauchen Sie weder ein Baujahr noch eine Diagnose. Entscheidend ist, die vorhandenen Informationen zu bewahren und zu klären, was mit dem Stück geschehen soll.

1. Halten Sie die Geschichte fest

Fragen Sie in der Familie nach, solange Erinnerungen erreichbar sind: Wem gehörte die Uhr? Wo stand sie? Wann wurde sie zuletzt benutzt? Gibt es alte Fotos, eine Rechnung oder Hinweise auf frühere Reparaturen? Notieren Sie auch, von wem eine Auskunft stammt. „Nach Erinnerung meiner Mutter“ ist eine hilfreiche Angabe; eine vermutete Jahreszahl sollte nicht als gesicherte Datierung erscheinen.

Bewahren Sie vorhandene Schlüssel, Pendel und lose Teile eindeutig zugeordnet auf, ohne sie probeweise einzubauen. Fotografieren Sie den übernommenen Zustand. Zur Beschreibung eines Objekts gehören unter anderem Maße, Beschriftungen und besondere Merkmale; dafür bietet die Object-ID-Checkliste des Internationalen Museumsrats eine Orientierung. [1]

2. Erzwingen Sie keinen Probelauf

Eine lange unbenutzte Uhr sollte nicht allein deshalb wieder in Gang gesetzt werden, weil sie äußerlich vollständig wirkt. Das Canadian Conservation Institute empfiehlt vor einer Instandsetzung historischer Uhren eine vollständige mechanische Zustandsprüfung. Dazu gehören beispielsweise Lager, Federn und die Vollständigkeit der Teile. [2]

Bei unbekanntem Zustand sollten Sie die Uhr deshalb zunächst beurteilen lassen. Bauen Sie das Werk nicht selbst aus und verwenden Sie kein Werkzeug zum Öffnen eines Uhrenbodens. Demontage setzt Erfahrung, geeignete Werkzeuge und einen passenden Arbeitsplatz voraus. [2] Beschreiben Sie vorhandene Beobachtungen, ohne neue Tests zu erzwingen: „Lief zuletzt vor dem Umzug“ ist etwas anderes als „Das Werk ist defekt“.

3. Klären Sie, was erhalten bleiben soll

Möchten Sie die Uhr regelmäßig nutzen, als Erinnerungsstück bewahren oder zunächst ihren Zustand verstehen? Diese Ziele gehören an den Anfang des Gesprächs. Sprechen Sie auch an, welche Gebrauchsspuren, Gravuren oder Veränderungen Ihnen persönlich wichtig sind. So lässt sich besprechen, welcher Eingriff zum Objekt und zu Ihrem Wunsch passt. Eine bestimmte Funktion, ein Reparaturumfang oder ein Preis lässt sich daraus noch nicht zusagen.

4. Bereiten Sie eine kurze Anfrage vor

Für den Erstkontakt genügen eine Beschreibung der Uhr, ihre ungefähre Größe, die bekannte Vorgeschichte und Ihre Frage. Passende Ansichten finden Sie in meiner Foto-Checkliste für die erste Uhrenanfrage. Sie müssen dafür keine Bauteile freilegen.

Mehr zum handwerklichen Vorgehen erfahren Sie unter Restaurierung alter und antiker Uhren. Sie möchten Ihr Erbstück vorstellen? Schreiben Sie mir über die Kontaktseite. Ich bin Michael Manßhardt, Uhrmachermeister und Restaurator in Lauingen an der Donau. Besuche im Atelier sind nach Terminvereinbarung möglich.

Quellen

[1] ICOM / J. Paul Getty Trust: Object ID Checklist – Orientierung zur Dokumentation von Objekten, auf eine erste Uhrenanfrage übertragen.

[2] Canadian Conservation Institute: Basic care – Clocks and watches – Abschnitte „Assessment“ und Hinweise zu Voraussetzungen einer Demontage.

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