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Journal

Zeitumstellung: Seit wann gibt es sie – und warum?

 

Michael Manßhardt, Uhrmachermeister, mit einer Taschenuhr

Von
Uhrmachermeister und Restaurator

Lesezeit ca. 3 Minuten

Eine Stunde vor, eine Stunde zurück: Zweimal im Jahr verändern wir die angezeigte Uhrzeit. Der Tag wird dadurch nicht länger. Wir verschieben vielmehr, wie unser Alltag zum Tageslicht liegt. Doch seit wann gibt es die Zeitumstellung, warum wurde sie eingeführt – und werden wir unsere Uhren auch künftig umstellen?

Historische Pendule im verglasten Gehäuse mit römischem Zifferblatt und sichtbarem Pendel
Historische Pendule – Originalaufnahme aus dem Bildarchiv von Michael Manßhardt.

Seit wann gibt es die Zeitumstellung?

In Deutschland wurde die Sommerzeit erstmals 1916 eingeführt, mitten im Ersten Weltkrieg. Die Hoffnung: Tageslicht besser nutzen und knappe Energieträger sparen. Die Idee einer saisonal veränderten Uhrzeit war bereits im späten 19. Jahrhundert diskutiert worden. [1]

Die Regelung blieb nicht durchgehend bestehen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie aufgehoben; von 1940 bis 1949 gab es erneut Sommerzeitregelungen. Danach folgte eine längere Pause. Seit 1980 gehört der Wechsel wieder zum Alltag in Deutschland. [2]

Warum wurde die Sommerzeit wieder eingeführt?

Die einfache Erklärung lautet oft: wegen der Ölkrise. Für die deutsche Wiedereinführung greift das zu kurz. Das Deutsche Uhrenmuseum betont die Bedeutung einer abgestimmten Zeitordnung in Europa. Unterschiedliche nationale Regelungen erschwerten den grenzüberschreitenden Alltag. Auch innerhalb des geteilten Deutschlands wollte man unterschiedliche Uhrzeiten vermeiden. [2]

Die Grundidee der Sommerzeit bleibt: Bei unveränderten Arbeits- und Schulzeiten fällt mehr Tageslicht in die Abendstunden. Dafür wird es nach der Uhr morgens später hell. Zusätzliche Sonnenstunden entstehen dadurch nicht.

Spart die Zeitumstellung tatsächlich Energie?

Der Nutzen ist wesentlich kleiner, als die ursprüngliche Begründung vermuten lässt. Nach Angaben des Umweltbundesamtes kann der geringere Beleuchtungsbedarf am Abend mit zusätzlichem Heizbedarf an kühlen Morgen einhergehen. Auch Freizeitverhalten und Verkehr beeinflussen die Bilanz.

EU-weite Untersuchungen zeigen insgesamt nur geringfügige Einsparungen; je nach Land können die Effekte unterschiedlich ausfallen. Eine große, überall verlässlich wirksame Energieersparnis lässt sich daraus nicht ableiten. [3]

Welche Zeit ist die Normalzeit?

Die umgangssprachliche „Winterzeit“ ist in Deutschland die Mitteleuropäische Zeit, kurz MEZ. Die Sommerzeit ist der MEZ eine Stunde voraus. Nach der geltenden Regelung beginnt sie am letzten Sonntag im März; am letzten Sonntag im Oktober kehren wir zur Normalzeit zurück. Merkhilfe: Im Frühjahr eine Stunde vor, im Herbst eine Stunde zurück. [4] Diese Zeitregel ist allerdings keine Anleitung zum Drehen der Zeiger einer historischen Uhr.

Wird die Zeitumstellung abgeschafft?

Ein Ende ist politisch diskutiert, aber noch nicht beschlossen. Die Europäische Kommission legte 2018 einen Abschaffungsvorschlag vor. Das Europäische Parlament unterstützte 2019 ein Ende des Wechsels mit dem damaligen Zieljahr 2021. Dafür fehlte jedoch die notwendige Einigung mit dem Rat der Europäischen Union.

Bislang hat der Rat seine Position nicht abschließend festgelegt. Ein verbindlicher Abschaffungstermin steht deshalb nicht fest. Zu klären ist außerdem, welche Uhrzeit die einzelnen Länder dauerhaft wählen würden und wie sich ihre Entscheidungen aufeinander abstimmen lassen. Bis zu einer wirksamen Neuregelung bleibt der halbjährliche Wechsel bestehen. [4]

Was bedeutet das für historische Uhren?

Bei einer alten Pendule oder Standuhr verdient das Stellen besondere Aufmerksamkeit. Schlagwerk, Kalender und weitere Anzeigen können mit der Zeigerbewegung zusammenhängen. Drehen Sie die Zeiger deshalb nicht ohne passende Anleitung rückwärts und wenden Sie bei Widerstand keine Kraft an. Das Institute of Conservation empfiehlt eine zur jeweiligen Uhr passende Beratung. [5]

Sie sind unsicher, wie Ihre Uhr gestellt werden darf? Diese Fotos helfen bei einer ersten Anfrage. Als Uhrmachermeister bespreche ich mit Ihnen den passenden Umgang mit Ihrem Stück. Kontaktieren Sie mich für ein Gespräch im Atelier in Lauingen an der Donau.

Wenn Sie eine Untersuchung oder Restaurierung Ihrer Uhr erwägen, erfahren Sie hier, wie Sie das Gespräch im Atelier vorbereiten können.

Quellen

[1] Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen: 100 Jahre Sommerzeit, Pressemappe, S. 1–3: historische Einführung und Entwicklung.

[2] Deutsches Uhrenmuseum: Die Sommerzeit als Folge der Ölkrise vor 50 Jahren? Ein weit verbreiteter Irrtum!, Abschnitte zur Geschichte und zur Wiedereinführung in Deutschland.

[3] Umweltbundesamt: Tipps zum Energiesparen – die Zeitumstellung tut es nicht, Abschnitte zur Energiebilanz und zur Untersuchung auf EU-Ebene.

[4] Europäische Kommission: Summertime, geltende Regelung und Stand des Vorschlags zur Abschaffung. Zur MEZ als Normalzeit ergänzend: Bundeswirtschaftsministerium: Fragen und Antworten zur Zeitumstellung.

[5] Institute of Conservation: Clocks, Abschnitt „Hand Setting“.

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