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Black Polish: Schwarzpolitur und mein Swingpolisher
Ein kleiner Wechsel des Blickwinkels genügt: Eben noch spiegelnd hell, erscheint ein fein poliertes Uhrwerkteil plötzlich tiefschwarz. Dieser Effekt gibt der Schwarzpolitur ihren Namen. Als „Black Polish“ gehört sie zu den besonders anspruchsvollen Oberflächenbearbeitungen an Armband- und Taschenuhren. Was steckt dahinter – und wobei hilft mein selbst gefertigter Swingpolisher? [1]
Black Polish: Warum wird eine blanke Fläche schwarz?

Die Oberfläche wird nicht schwarz eingefärbt. Sie ist so fein bearbeitet, dass sie das Licht ähnlich einem Spiegel gerichtet reflektiert. Trifft die Spiegelung einer hellen Lichtquelle unser Auge, wirkt die Fläche hell. Kippen wir das Teil so, dass diese Spiegelung am Auge vorbeiläuft und sich eine dunkle Umgebung spiegelt, erscheint es dunkel bis schwarz. Der Eindruck hängt also auch von der Beleuchtung und der Umgebung ab. [1, 4]
Eine rauere Oberfläche streut Licht in viele Richtungen. Kratzer, Wölbungen oder ungleichmäßig bearbeitete Bereiche können deshalb als abweichende Reflexe auffallen. Bei einer ebenen, gleichmäßig polierten Fläche lässt sich dagegen ein geschlossener Hell-Dunkel-Wechsel beobachten. Ein einzelnes Foto zeigt immer nur einen dieser Zustände. [4]
Vom Schliff zur Schwarzpolitur
Schwarzpolitur verlangt mehr als eine glänzende Oberfläche. Das Werkstück muss seine vorgesehene Form behalten; eine verrundete Fläche wird durch zusätzlichen Glanz nicht wieder eben. Alfred Helwig beschreibt in meiner Fachbibliothek am Beispiel einer Triebfacette ausdrücklich, wie wichtig die vorbereitete Ebene für eine gleichmäßige Politur ist. Das ist ein Grundgedanke, der auch bei der Bearbeitung kleiner flacher Uhrteile zählt. [5]
Die Arbeit lässt sich in drei Aufgaben gliedern: Zuerst wird eine geeignete, ebene Fläche vorbereitet. Anschließend werden Bearbeitungsspuren mit passenden feineren Mitteln verfeinert. Für die abschließende Politur müssen Werkstück und Arbeitsfläche sauber sein; zurückgebliebene grobe Körner können neue Kratzer verursachen. Material, Poliermittel und Druck müssen zusammenpassen. [1, 5]
A. Lange & Söhne beschreibt Schwarzpolitur mit speziellen Poliermitteln auf Zink- oder Zinnplatten. Die Wahl von Polierträger und Poliermittel richtet sich nach Bauteil und Werkstoff. In der Werkstatt wird die Oberfläche während der Arbeit immer wieder unter wechselndem Lichteinfall kontrolliert. [1]
Wobei hilft mein Swingpolisher?
Ich fertige den Swingpolisher selbst in meiner Werkstatt. Er dient zum Flachschleifen und Polieren von Schraubenköpfen sowie aufgelackten Bauteilen. „Aufgelackt“ bedeutet, dass ein kleines Teil für die Bearbeitung auf einem Träger befestigt ist.

Passende Spannzangen einer Uhrmacherdrehbank übernehmen die Aufnahme. Über die Höhenverstellung lässt sich das Werkstück zur Schleif- oder Polierfläche ausrichten. Der Swingpolisher unterstützt damit das Halten und Führen eines kleinen Teils. Das Ergebnis entsteht aus dem Zusammenspiel von Vorbereitung, geeignetem Poliermittel und kontrollierter Handarbeit.
Finishing umfasst daneben weitere Verfahren: Beim Strichschliff entstehen feine Linien; beim Anglieren werden Kanten gefast und poliert. Der Swingpolisher ist für die Bearbeitung ebener Flächen vorgesehen. Die unterschiedlichen Oberflächen verlangen jeweils passende Arbeitsschritte. [2]
Aus der Fachbibliothek – und die Verbindung zu Flume
Wie lange solche Hilfsmittel zur Uhrmacherei gehören, zeigt das Flume-Buch: Auf Seite 60 des zweiten Bandes stehen Flachschleifer für Schrauben, Sperrfedern und weitere kleine Teile. Die beiden abgebildeten Vorrichtungen besitzen eine Lackscheibe; das rechte Modell hat zusätzlich eine Parallelführung. Daran lässt sich erkennen, welchen Stellenwert das Halten und Führen kleiner Teile schon damals hatte. [6]

Den von mir gefertigten Swingpolisher vertreibe ich in Zusammenarbeit mit Flume Technik. Bei Flume berate ich außerdem Uhrmacher und Goldschmiede zur Werkstattausstattung sowie zu Werkzeugen und Maschinen. Mehr zu meiner Arbeit finden Sie unter Über mich. [3]
Bei historischen Uhren klären wir zuerst, welche Oberflächen erhalten bleiben sollen. Besonders bei bedeutenden Stücken gehe ich behutsam vor und versuche, den Originalzustand zu bewahren. Sie möchten eine Anwendung des Swingpolishers besprechen? Beschreiben Sie mir über das Kontaktformular das Bauteil und die gewünschte Oberfläche.
Quellen und Fachliteratur
- A. Lange & Söhne: Finissierung und Gravur, Abschnitte Flachpolitur und Schwarzpolitur; ergänzend Black polishing zum Lichteinfall.
- Alb. Hüttig: Die Behandlung der Oberflächen von Uhrteilen. Schleifen, Polieren, Mattieren, Vergolden, erste Seite der vorliegenden Ausgabe. Aus der Fachbibliothek von Michael Manßhardt.
- Michael Manßhardt: Swingpolisher – eigene Fertigung und Zusammenarbeit mit Flume Technik; Werkstattausstattung und technische Beratung bei Flume.
- Samuel J. Ling, Jeff Sanny und William Moebs: University Physics Volume 3: The Law of Reflection, OpenStax. Grundlagen zur gerichteten und diffusen Reflexion.
- Alfred Helwig: Das Drehen von Trieben und Wellen in der Uhrmacherei, S. 60–61, Bearbeitung und Politur einer Triebfacette. Aus meiner Fachbibliothek.
- Rudolf Flume: Das Flume-Buch 1887–1937, Band II, „Werkzeuge und Einrichtungen“, S. 60, Flachschleifer Nr. 1269 und 1270. Abbildung als Ausschnitt aus dem Digitalisat meiner Fachbibliothek.
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